Professor Martin E.P. Seligman

Der Inspirational Life Award 2019 ging an Professor Martin E. P. Seligman

Er kam persönlich aus den USA nach Königstein, um am Abend des 27. Juni im Institut Dr. Enkelmann die Auszeichnung für sein Lebenswerk entgegenzunehmen: 
Professor Martin Seligman! Der Amerikaner gilt als Begründer der [-]Positiven Psychologie. Die Laudatio hielt Dr. Claudia E. [-]Enkelmann, die das Institut gemeinsam mit ihrem Mann, [-]Alexander A. Gorjinia leitet.

Der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier hatte einiges verpasst: Zu gerne wäre er persönlich gekommen, um die Auszeichnung des weltbekannten Professors Martin Seligman live zu erleben. Sein Terminkalender ließ es dann leider nicht zu. In Vertretung für den Regierungschef hielt Staatssekretär Thomas Metz das Grußwort. „Ich bin ja bei vielen Veranstaltungen zu Gast, aber einen so freundlichen Empfang habe ich noch nicht erlebt. Ich möchte Sie zunächst einmal sehr herzlich begrüßen, im Namen des Ministerpräsidenten Volker Bouffier, der Ihnen die Wertschätzung übermitteln möchte für das, was Sie hier im Institut Dr. Enkelmann leisten. Ihm war es deshalb auch ein großes Anliegen, dass ein Repräsentant der Landesregierung bei der heutigen Preisverleihung mit dabei ist. Ich habe die Aufgabe gerne für ihn übernommen“, sagte Metz.

Optimismus verpflichtet – insbesondere, wenn man ein Institut leitet, das sich der Persönlichkeitsentwicklung und positiven Zukunftsgestaltung verpflichtet hat. Zum Auftakt der Preisverleihung versetzte Alexander A. Gorjinia seine Gäste in die entsprechende Grundstimmung: „Wir haben einen Raum voller Optimisten – und das ist auch gut so. Denn je optimistischer ein Mensch ist, umso mutiger und erfolgreicher ist er. Alle großen Errungenschaften der Menschheitsgeschichte wurden von Optimisten erreicht, nicht von Zweiflern. Ein Optimist konzentriert sich auf die Chancen im Leben und lässt sich von seinen Befürchtungen und Ängsten nicht beeinflussen“. Mit diesen aufbauenden Worten eröffnete Gorjinia die Preisverleihung am 27. Juni. Die Gäste, darunter viele Unternehmer, Politiker, Professoren, waren teilweise hunderte von Kilometern angereist, um den Abend mit Seligman zu erleben.

Bevor sie ihm den Inspiration Life Award überreichte, hielt Dr. Claudia E. Enkelmann eine Laudatio für Seligman. „Er ist der bekannteste Optimismusforscher. Er ist der Urvater der Positiven Psychologie. Er ist der Mann, der den Elfenbeinturm der Wissenschaft verlassen hat, um sein Wissen mit den Menschen zu teilen“, erklärte Enkelmann, sichtlich bewegt.

Der Inspiration Life Award Award wird seit 2010 vom Institut Dr. Enkelmann, dem Magazin „Der erfolgreiche Weg“, sowie dem Verein „Helden von morgen“ verliehen. „Wer verdient diesen Preis? Es sind Menschen, die andere inspirieren. Die andere ermutigen. Die Vorbilder sind. Die Großes geleistet haben, aber die vor allem auch bereit sind, ihr Wissen großzügig weiterzugeben an die nächste Generation“, sagte Enkelmann.

Humorvoll und souverän führte sie ihre rund 50 ausgewählten Gäste durch die Biografie eines Mannes, der als Pionier, wenn nicht gar Begründer, der sogenannten Positiven Psychologie gilt. „Er ist das Gesicht der Positiven Psychologie. Diese Bewegung, die noch ganz am Anfang steht, achtet nicht auf die Schwächen der Menschen, sondern auf ihre Stärken“, sagte Enkelmann.

Seligman wurde 1942 in den USA geboren. Die Eltern, einfache Beamte, sparten jeden Cent, um dem begabten Kind eine gute Schulbildung zu ermöglichen. Als Seligmann 13 Jahre alt war, bekam sein Vater einen Schlaganfall, von dem er sich nie wieder richtig erholte. Der Junge musste über Nacht die Verantwortung für die ganze Familie übernehmen. Er ging in den Vertrieb und verkaufte Zeitschriften, meist an Hausfrauen.

Schließlich ergriff er seine Chance, bekam ein Stipendium, schloss die Schule ab und ging an die Elite-Universität Princeton, zunächst um Philosophie zu studieren. Nach seinem Abschluss entdeckte er die experimentelle Psychologie, ein damals recht junges Feld, das sich vornehmlich des Experiments als wissenschaftliche Methode bedient. Es sollte sein ganzes weiteres Leben beeinflussen.

Seligman schrieb 
Psychologie-Geschichte

Schon Mitte der Sechzigerjahre schrieb Seligman Psychologie-Geschichte, indem er das Phänomen der erlernten Hilflosigkeit entdeckte. Die Theorie übertrug Tierversuche auf den Menschen und erklärt, warum manche sich selbst aufgeben und passiv werden, statt die Hürden des Lebens zu meistern. Die Theorie der erlernten Hilflosigkeit gehört längst zum Grundwissen eines Psychologiestudiums und hat bis heute großen Einfluss. Viele Jahre später erforschte Seligman den Optimismus. In seinem international gefeierten Bestseller „Pessimisten küsst man nicht. Optimismus kann man lernen“, erklärte er anschaulich die Thesen des Buchtitels. Zahlreiche Test der Selbstprüfung helfen dem Leser die eigenen Stärken zu erkennen und ein positives Lebensgefühl zu entwickeln. „30 Jahre zuvor gab es keine Theorien über Glück. Man beschäftigte sich nur mit dem Unglück und dem Leid. Es ging darum, das Unglück zu lindern. Es gab aber keine Methoden, um zu messen, was das Leben lebenswert macht. Man beschäftigte sich nur mit Depressionen und Ängsten. Jetzt haben wir Methoden, um Glück und Wohlbefinden zu messen“, erklärte Seligman.

Statt auf Krankheit, fokussierten sich Seligmans Studien also auf Gesundheit und Glück. Gemeinsam mit Kollegen erarbeitete er ein Konzept, das sich als positives Gegenstück zum Handbuch geistiger Störungen versteht. Während sich die alte Schule darauf konzentrierte, was bei der mentalen Entwicklung eines Menschen falsch laufen kann, ging Seligman den umgekehrten Weg und erforschte Charakterstärken und Tugenden. Vereinfacht gesagt untersuchte er, warum glückliche Menschen glücklich sind. Er gilt damit als Pionier einer jungen Denkrichtung, der Positiven Psychologie, die 1954 von dem US-Psychologen Abraham Maslow erfunden und später von Seligman aufgegriffen und weiterentwickelt wurde. „Ich habe die letzten dreißig Jahre meines Lebens damit verbracht über Zufriedenheit und Glück nachzudenken. Es geht nicht darum, weniger unglücklich zu sein. Der Bereich des Unglücks wurde hinreichend erforscht, aber wir [-]haben noch sehr viel Spielraum, weiter zu forschen, wie Menschen glücklicher werden können“, erklärte Seligman und führte aus: „Glücklichere Menschen sind besser in ihrer Arbeit, sind bessere Bürger, sind kreativer. Wenn Dinge schieflaufen, haben sie eine bessere Fähigkeit, damit umzugehen. Ein Pessimist zu sein, ist etwa so ungesund, als ob man drei Schachteln Zigaretten am Tag rauche.“

Das amerikanische Militär setzte Seligman ein, um ein Programm zu entwickeln, das post-traumatischen Belastungsstörungen entgegenwirken sollte. Die Soldaten konnten Resilienz erlernen, also psychische Stärke aufbauen und somit belastbarer werden, um auch traumatische Erlebnisse bewältigen zu können. Dieses Programm wurde über zehn Jahre lang national an rund 1 Million US-Soldaten durchgeführt und gilt als äußerst erfolgreich.
Seligman rief auch das erste Masterprogramm für angewandte Positive Psycho[-]logie an der Pennsylvania State University ins Leben. „Aus der ganzen Welt kommen Menschen, um bei ihm und seinen Kollegen Positive Psychologie zu studieren und dann das Ganze in die Welt zu tragen“, erläuterte Enkelmann.

Seligman, der sich zurzeit der Erforschung der menschlichen Kreativität widmet, bedankte sich für die gelungene Laudatio und die ausgezeichnete Zusammenfassung seiner Lebensgeschichte: „Es gibt eine enge Verbindung zwischen Dankbarkeit und Lebenszufriedenheit. In der Positiven Psychologie ist es ganz wichtig, dass wir aus tiefstem Herzen Danke sagen“, erklärte Seligman. „Ich bin aus tiefstem Herzen dankbar, dass du, liebe Claudia, begriffen hast, was ich in 55 Jahren zu tun versucht habe.“

Dann wandte er sich an seine Frau Mandy Seligman, die im Publikum saß. Der Sozialpsychologin und Mutter seiner sieben Kinder widmete er liebevolle Worte: „Vor 30 Jahren habe ich den Menschen getroffen, der mein eigenes Leben verändert hat. Ich entwickelte mich von einem unglücklichen Miesepeter zu einem Menschen, der Glück und Freude empfindet kann. Mandy war nicht nur die Liebe meines Lebens, sondern sie inspirierte mich auch sehr.“

Zum Abschluss der gelungenen Veranstaltung gab es neben Sekt und Fingerfood, auch Nahrung für die Seele: Die deutschsprachige Ausgabe von Seligmans Bestseller „Flourish – Wie Menschen aufblühen“, lag für die Gäste in Geschenktüten bereit. Viele nutzten die Chance und ließen sich ihr Exemplar vom Meister persönlich signieren.